Modelle narrativer Poetik zwischen Raum, Bewegung und Identität in der russischen Literatur (Čechov, Trifonov, Petruševskaja)

Das Dissertationsprojekt widmet sich in der Auseinandersetzung mit den drei Autoren Anton Čechov, Jurij Trifonov und Ljudmila Petruševskaja der Verschränkung von Raumproduktion in ihrer historischen und kulturellen Bedingtheit, Gender-Identitäten und Raum- und Bewegungspoetiken in der russischen Prosa. Die Studie stellt sich die Frage, wie literarische Texte die Veränderung der Lebensräume und der Raumwahrnehmung und die damit zusammenhängende Entstehung neuer Identitätskonzepte thematisieren (Urbanisierung und brüchig werdende Beziehung zwischen Individuum und städtischem/provinziellem Raum um 1900; post-sowjetische Wohnformen und deren Praxis der Raumnutzung u.a.) und sich in spezifischen erzählerischen Verfahren auf sie beziehen.

Die Untersuchung dreier AutorInnen bietet über die typologische Gegenüberstellung hinaus noch andere Vergleichsmöglichkeiten: Das Dissertationsprojekt hat auch jenes Phänomen zum Gegenstand, das ich mit dem Begriff der ¢Interspatialität¢ zu fassen suche. Erzählhandlungen ebenso wie die zentralen Elemente der erzählten Räume bei Čechov (darunter die Motiviken der „Unbehaustheit“, des diffusen Unbehagens und der Such-Bewegungen nach alternativen Lebens-Räumen, des Rückzugs) gingen in den Diskurs der russischen Literatur ein und tauchen intertextuell in Erzählwerken von Trifonov und Petruševskaja wieder auf. Gerade dieser Umstand regt dazu an, die unter dem Begriff der Interspatialität gefassten Beziehungen der Raumpoetiken zueinander und die intertextuelle Verfasstheit von Räumen bei Trifonov und Petruševskaja bezogen auf Čechov zu untersuchen.

wrwqe

Jana Pavlova

... ist Doktorandin am Lehrstuhl für Slavische Literatur-wissenschaft. Daneben unterrich-tet sie mit Leiden-schaft Russisch am Sprachenzentrum der Universität
Basel.